Friedrich Hebbel (1813-1863)

... ist ein Dramatiker, Lyriker, Aphoristiker und Tagebuchschreiber, der zu den eigentümlichsten und interessantesten Autoren des 19. Jahrhunderts gezählt werden darf. Seine Biographie ist abenteuerlich genug, um selbst Stoff für Dramen oder Romane hergeben zu können.

 

Obwohl er nur wenige Kilometer von meinem Heimatort entfernt geboren wurde, stolperte ich doch eher durch Zufall über ihn, als ich die Gelegenheit erhielt, in einem dreijährigen Dissertationsstipendium meine Doktorarbeit über ihn zu schreiben.

 

In diesen drei Jahren, von 1987 bis 1990, lebte und arbeitete ich im Hebbel-Museum in Wesselburen, wo Hebbel die ersten 22 Jahre seines Lebens verbrachte, und wurde also zur Genüge mit dem genius loci imprägniert.

Hat man sich einmal zu einem Thema geäußert, wird man immer wieder dazu befragt, ob man will oder nicht, und über kurz oder lang wird man dann zum Experten abgestempelt. So erging es auch mir, und trotz aller Bemühungen, mich auch auf anderen Gebieten der Literaturwissenschaft zu tummeln, kam ich immer wieder auf diesen Autor zurück.

 

Wie kann man es unter solchen Umständen vermeiden, zum Fachidioten zu werden? Indem man den Autor nur als Stellvertreter nimmt für all die großen und wichtigen Fragen, die sich mit Literatur überhaupt verbinden lassen. Indem man in ihm eine Nußschale sieht, die die Welt enthält.

 

Das funktioniert natürlich nur bei den wirklich großen Autoren, die tatsächlich eine Welt umfassen. Und zu denen gehört Friedrich Hebbel ganz gewiß. Er war einer der stärksten, wildesten, entschiedensten, unerbittlichsten und - sanftesten Autoren des 19. Jahrhunderts, und ein Mann, der nie langweilig wird, egal wie viel man über ihn lernt.

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© Hargen Thomsen